22 / November / 2009 Alexandra Kilian

Im Urlaub verliebt, im Alltag vergessen - bei studiVZ wiedergefunden

Paar StudiVZ
Nadja und Jens in Ägypten 2009. Der zweite Urlaub nach zehn Jahren. Aber der erste als Liebespaar
Quelle: privat


Gierig gafft Nadja an Jens vorbei auf die kleinen bunten Teller, die in Miniaturholzschiffchen im Wasser der Kaitenbar an ihnen vorbeiziehen. "Als Jens vor einem Jahr mein Profil bei studiVZ angeklickt hat, dachte ich zuerst: Was ist das denn für ein Freak?", sagt Nadja. Das Foto von ihm sei so schick gewesen, dass sie es für ein Fake hielt. Und warum ein Typ aus Frankfurt sich für ihr Profil interessiert, hatte sie zu dem Zeitpunkt auch noch nicht verstanden. Das braungeprannte Pärchen sitzt an der Bar des Kabuki in Hannover, dem Sushi-Szene-Treff der niedersächsischen Landeshauptstadt. Sie sind gerade aus Ägypten zurückgekommen. Schon ihr zweiter Urlaub zusammen, aber ihr erster gemeinsamer.

Vor zehn Jahren lernten sich der mittlerweile 29-jährige Nachtportier des Mercure Hotels in Frankfurt und die 24-jährige Nadja in den Ferien mit den Eltern auf Gran Canaria kennen. Beim Animationsprogramm und den Tagesausflügen klemmten sich die jugendlichen Hotelbesucher aneinander. Eine typische Clique eben. "Ich fand ihn immer toll, fünf Jahre älter und cool, wie er war", sagt Nadja. Bei Jens war das ganz anders: Damals interessierte er sich nicht für sie. Sie war schließlich erst 14, er schon 19. Die Briefe, die sie ihm nach dem Urlaub schickte, ließen ihn kalt. Auf keinen einzigen hat er geantwortet.

Auf studiVZ sucht er nach ihr


Doch zehn Jahre später findet er genau diese Briefe plötzlich wieder. In einer Kiste vom Dachboden seiner Eltern. Er wird neugierig, versucht, sich an sie zu erinnern. Gut, dass es das Internet gibt. Und soziale Netzwerke wie studiVZ. Denn genau dort gibt er ihren Namen ein. Und findet eine attraktive junge Frau, Intensivkrankenschwester an der Medizinischen Hochschule in Hannover, lebensfroh und lustig. "Ich war mir nicht sicher, ob das die Nadja ist", sagt er "aber gefallen hat sie mir gleich."



Auch Nadja ist neugierig auf den unbekannten Besucher. Sie schreibt ihm eine Nachricht: "Hey, wer bist du denn, gefällst mir!" Von der Verbindung ahnt sie noch nichts. Bis Jens antwortet. "Sag mal, kann das sein, dass Du vor zehn Jahren mit Deinen Eltern im Hotel Las Palomas Dunas warst?" Da schaltet sie. Rennt zum Schrank mit den Fotoalben, kramt die Bilder aus dem Gran Canaria-Urlaub hervor, ruft aufgeregt ihre Mutter an. Wie denn das Hotel hieß. Las Palomas Dunas? Las Palomas Dunas.

"Dann ging alles ziemlich schnell", sagt Nadja. Zwei Wochen mailen sie über studiVZ hin und her, telefonieren stundenlang, quatschen über Vergangenheit und Gegenwart. Und planen die Zukunft. "Wir mussten uns einfach wiedersehen", sagt Nadja. Sie drängt auf ein Treffen - und setzt sich zwei Wochen nach der ersten Mail ins Auto. Zu Jens nach Frankfurt.

Das erste Wiedersehen


Als sie bei ihm vor der Tür steht, aufgestylt, mit einem Puls von 180, kann sie ihm vor Aufregung nicht ins Gesicht sehen. Auch er ist leicht unsicher, zeigt seine Wohnung, bietet ihr etwas zu trinken an. "Wir haben uns echt verhalten wie 14-Jährige", sagt Nadja. "Total unbeholfen." Sie schauen sich bei googlemaps ihre Wohnorte an. Dann kochen sie. Spaghetti Bolognese. Und da, endlich, ergreift Jens die Initiative. Er zieht Nadjas Gesicht zu sich heran. Sie zögert, wirft einen Blick auf die sprudelnden Blasen im Tomatensud - doch er bleibt hartnäckig. Und küsst sie.

"Das war vielleicht gut", sagt Jens und klaut seiner Freundin ein Avokado-Maki vom Teller. Gleich nach dem Essen haben sie sich dann auf das Sofa verzogen, kuscheln. Bis er um halb zehn zur Arbeit muss. Sie bleibt, will eigentlich erst zum Frühstück zu ihm ins Mercure fahren. Doch nachdem er gegangen ist, sie schnell den wichtigsten Freundinnen die Neuigkeiten erzählt hat, hält sie es nicht mehr aus. Und fährt doch schon früher zu ihm ins Hotel. Sie reden die ganze Nacht. Dann fahren sie morgens zusammen zurück zu ihm. Eigentlich sind sie müde, wollen schlafen.

"Hm, tja, also zum Schlafen sind wir dann gar nicht mehr so richtig gekommen", sagt Nadja grinsend. Und Jens greift nach ihrer Hand, strahlt sie an. "Als sie dann mittags wieder nach Hannover gefahren ist, war ich total leer." Es sei erst das zweite Mal in seinem Leben gewesen, dass er sich richtig verliebt habe. Nach dem Treffen wollte er nur eins: Dass sie sich möglichst bald wiedersehen.

Und das tun sie. Seit ihrem Besuch in Frankfurt im letzten November regelmäßig alle zwei Wochen. Dann legen sie ihre Schichtdienste so, dass sie zueinander können. Bei den Eltern des anderen waren sie auch schon. Und der Urlaub jetzt in Ägypten, der habe ihre Beziehung noch einmal gefestigt.
Wahrscheinlich werden sie schon nächstes Jahr zusammen ziehen.
Nadja will Jens heute noch den Blick vom Rathaus auf Hannover zeigen. Ihn für ihre Heimat zu begeistern, ist ihr wichtig. Schließlich soll er zu ihr ziehen. Er holt ihre Jacken. "Den lass ich nicht mehr gehen", sagt sie. Über das Heiraten haben sie zwar noch nicht gesprochen. "Aber ich würde 'Ja' sagen."

Alexandra Kilian

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