22 / November / 2009 Caroline Rudelt

Quirkyalones: Wenn das Alleinsein zur Passion wird

Antje Lücke aus Berlin ist ein Quirkyalone
Sie sucht nicht mehr nach der großen Liebe: Antje Lücke ist ein Quirkyalone - ein Single aus Überzeugung
Quelle: Melanie Haack


An den Tag kann sie sich nicht mehr genau erinnern. Nur an das Gefühl. An jene plötzliche Gewissheit und Zufriedenheit. Ungefähr vor fünf Jahren war es, als sich Antje Lücke vom Glauben an die große Liebe verabschiedete. Sie wurde zu einem Quirkyalone ("schrulliger Alleinstehender"). Einem Menschen, der Alleinsein nicht mit Einsamkeit gleichsetzt, der gerne Single ist - und nicht um jeden Preis eine Beziehung sucht. Aus den USA kommt diese Bewegung, basiert auf einem 2004 publizierten Buch der Autorin Sasha Cagen: "Quirkyalones. Singles aus Leidenschaft." Partnerschaften schließen deren mittlerweile weltweit verstreuten Anhänger zwar nicht grundsätzlich aus. Kompromisse für die Liebe dagegen schon.

Sie habe es oft versucht mit den Männern, sagt Antje Lücke. In ihrem Leben davor, wie die 44-jährige Berlinerin es nennt. Vor zehn Jahren führte sie ihre letzte lange Beziehung. Sie war verliebt, es schien alles perfekt zu passen. Er, Typ Künstler, intelligent und freiheitsliebend. Doch er verließ sie. Grundlos. "Er hat mich emotional fallengelassen. Ohne jede Erklärung den Kontakt abgebrochen", sagt Antje Lücke. Drei Jahre habe sie gelitten, nie mit der Sache abschließen können. Bis sie ihn zufällig wieder traf - in Begleitung einer schwangeren Frau. "Ich wollte keine Kinder. Das war aber eigentlich nie ein Thema zwischen uns."

Irgendwann verblasste der Schmerz, der tief sitzende Frust. Eine innere Ruhe kehrte ein, wie Antje Lücke sagt. Sie beschloss, nie wieder wegen eines Mannes leiden zu wollen. "Als ich das Buch von Sasha Cagen las, fühlte ich mich sofort verstanden. Endlich gab es einen Begriff für meinen Gefühlszustand." Sie wurde zum Quirkyalone.

Für viele Menschen wäre ihr Leben ein Albtraum


In ihrem Freundeskreis gibt es mehrere Anhänger des erfüllten Single-Daseins. Gemeinsam wollen sie ein deutsches Forum gründen. Der Bedarf, so Lücke, sei in jedem Fall da. Verheiratete Paare kennt sie nur wenige. Man suche sich halt den passenden Freundeskreis, sagt sie. Auf Unverständnis stößt ihre Einstellung zur Liebe nur bei Fremden: "Die kaufen mir nicht ab, dass ich ein zufriedener Single bin." Für viele Menschen wäre ihr Leben ein Albtraum, ist sie sich sicher. Doch selbst ihre Mutter habe sich mittlerweile mit der Entscheidung der Tochter arrangiert. "Natürlich hätte sie sich auch einen Schwiegersohn und Enkelkinder gewünscht. Letztlich will sie mich aber einfach glücklich sehen", sagt die freiberufliche Übersetzerin. Und glücklich, ja, das sei sie definitiv. "Mir fehlt nichts in meinem Leben."

Antje Lücke im Gespräch mit stadtsolist-Redakteurin Caroline Rudelt
Gefrustet sieht anders aus: Antje Lücke im Gespräch mit stadtsolist-Redakteurin Caroline
Quelle: Melanie Haack
Angst vor Einsamkeit im Alter hat Antje Lücke nicht. Sie hat viele Träume. Eine Wohngemeinschaft mit anderen Quirkyalones wäre eine Option. Oder, ganz vielleicht, hat das Schicksal andere Pläne mit ihr - und sie verliebt sich doch noch einmal. Optimal müsse dieser Mann sein, nicht perfekt. Er soll sie intellektuell bereichern, ihre Freiheit achten. Hoffnung, auf solch ein Exemplar zu stoßen, hat sie kaum. Wobei sie es den Männern auch nicht unbedingt leicht macht. "Ich habe sicherlich Anteil daran, dass es nicht richtig klappt", sagt sie. Klassische Beziehungsmuster mit viel Nähe und Familie, das will sie nicht. Quirky bedeutet kauzig oder schrullig. "Der Begriff ist durchaus passend gewählt", sagt Antje Lücke, lacht dabei.

Trotz allem Selbstbewusstsein - manchmal kommen die schwachen Momente. Silvester beispielsweise mag sie nicht. "Da fliehe ich immer, reise irgendwo in die Sonne." Mit Freunden? "Nein", sagt sie. "Allein."

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