23 / November / 2009 Melanie Haack, Martina Nürnberg

In sieben Minuten zur großen Liebe? - Ein Selbstversuch

Melanie Haack beim Speedate
Der Sieben-Minuten-Check: Melanie von stadtsolist prüft eines ihrer Speeddates (Szene nachgestellt)
Quelle: M. Haack/M. Nürnberg


Viereinhalb Jahre Single - eigentlich reicht das. Gesucht habe ich nie. Ich komme auch so klar. Aber manchmal wäre eine neue Liebe schon eine schöne Sache. Das Problem: Ich treffe selten Männer, die ich wirklich mehr als interessant finde.

Vielleicht wäre Speeddating eine Alternative. Also überrede ich meine Freundin und Kollegin, sich auch anzumelden. Martina (26) ist vergeben. Und glücklich. Aber das muss sie ja beim Speeddate nicht erzählen. Sie soll die Herren einfach nur kennen lernen und mir Rat geben.

Gesagt, getan: Bei Google "Speeddating" eingeben und bei den zahlreichen Veranstaltern einen Termin finden, der zur passenden Zeit in der Nähe ist. Für Großstädter nicht schwierig. Schon am nächsten Sonntag um 19 Uhr soll es soweit sein, in der X-Bar im Prenzlauer Berg in Berlin. Was ich anziehen soll, weiß ich bis Sonntagnachmittag immer noch nicht. Schließlich die Entscheidung: schwarze Stiefel, schwarze Strumpfhose, dunkler Jeansrock und ein weites, dunkel-lila Shirt. Ich fühle mich wohl. Das ändert sich, als wir vor der Bar stehen. Viel Zeit zum Grübeln bleibt mir nicht. Denn Martina will hinein gehen.

Zwei Frauen ergreifen die Flucht


Es ist wie vor einem Sportwettkampf: Der Startschuss fällt und das Unwohlsein ist weg. Der Startschuss ist in diesem Fall der Moment, als der Veranstalter in der Bar zu uns kommt. Ein großer, leicht fülliger, aber sportlicher Typ. Er weist uns beide, zwei weitere Anwärterinnen und einen schüchternen Mittzwanziger in die Speeddating-Regeln ein: Wir Frauen bekommen einen festen Tisch zugewiesen. Die Männer müssen von einer "Dame", wie der Veranstalter so schön sagt, zur nächsten wechseln und bei jeder sieben Minuten bleiben.

Martina, der schüchterne Mittzwanziger und ich gehen zu unseren Tischen, die beiden anderen "Damen" ergreifen heimlich die Flucht. Ihnen hat wohl keiner der Kandidaten gefallen. "Ein unmögliches Verhalten", sagt der Veranstalter.

Auf den Tischen liegen Karten und Kugelschreiber. Die Karten haben kleine Felder, in die wir die Namen unserer Speeddating-Partner eintragen. Platz für Notizen ist auch. Und natürlich das wichtigste: Die Felder "Ja" und "Nein", mit denen wir bestimmen können, ob wir unsere Dates wiedersehen wollen. Nur, wenn Männlein und Weiblein "Ja" ankreuzen, werden später vom Veranstalter per E-Mail die Kontaktdaten ausgetauscht.


Quelle: Melanie Haack

Sieben Männer sind da. Und wir stellen fest: Alle sehen sympathisch aus. Mein erstes Speeddate habe ich mit Pete. Pete ist 30 und Bauingenieur. Die sieben Minuten sind schnell um. Was in erster Linie daran liegt, dass Pete endlos redet. Über seinen Job, seine Lieblingsmusik und über Berlin. Von mir will er nur wissen: "Was ist typisch Melanie?" Blöde Frage. Bevor ich sie beantworten kann, verscheucht der Veranstalter Pete vom Platz: "Sieben Minuten. Mehr nicht."

Zum Glück will keiner übers Heiraten reden


Ich habe Dates mit einem Volkswirt, einem Mitarbeiter aus dem Bundestag, noch einem Bauingenieur, einem angehenden Journalisten, einem Studenten und einem Mittelalterfan, der leider nicht danach aussieht. Ein Mann im Kilt und Stiefeln - ich mag es! Zum Glück will keiner übers Heiraten, Kinder kriegen oder ähnliches sprechen. Top-Themen: Hobbies, Jobs und Berliner Locations. Auch Martina unterhält sich gut. Ein Flop ist der Abend also nicht.

Die Zeit ist um. Mein Kopf brummt. Irgendwie ist es anstrengend, mit sieben fremden Männern sieben Gespräche aufrecht zu halten. Problem: Ich habe kein einziges Kreuzchen gesetzt. Obwohl der Veranstalter erklärt hat: "Ein 'Ja' bedeutet keine Liebeserklärung. Es ist bloße Sympathie-Bekundung."

Sympathisch waren fast alle. Aber reicht das? Nein, mir nicht. Interessant fand ich keinen. Also bleibe ich dabei: Sieben Mal 'Nein'. Martinas Zettel sieht genauso aus - ihr Freund muss sich keine Sorgen machen.

Unser Fazit eines lustigen Abends: Zum Speeddate gehen nicht nur Männer, die sonst keine Frau finden. Nur für mich war keiner dabei. Vielleicht werde ich es mal mit Online-Speeddating versuchen.

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