26 / November / 2009 Alexandra Kilian

Das Geschäft der Singlebörsen - Alles Abzocke?

Abzocke Singlebörsen
Wenn das Surfen auf Singleportalen zum Ärgernis wird: Manche Dating-Plattformen machen dubiose Geschäfte
Quelle: aboutpixel.de/Stefan Hiller


Eigentlich will er nur online daten. Doch seine Suche nach der Traumfrau - sie endet vor Gericht. Er verklagt das Singleportal flirt-fever.de auf Erstattung der Nutzungsgebühr. Erfolgreich (Az. 262 C 18519/08). Der Betreiber der Singlebörse, die Prebyte Media GmbH, muss dem jungen Mann 72 Euro zurückzahlen. Wegen mangelhafter Vertragsbestimmungen. Der Kläger war zum Zeitpunkt der Anmeldung minderjährig. Zudem habe er laut Gerichtsurteil vom 18. Februar 2009 aus den Bestimmungen der Seite nicht erkennen können, dass die Probemitgliedschaft von 1,99 Euro für zwei Wochen nach kurzer Zeit automatisch in eine teurere Mitgliedschaft und längere Laufzeit übergeht.

Die dubiosen Machenschaften häufen sich


Offenbar kein Einzelfall. Im Forum flirtxpert.de bloggt User "engerek": "Internet Seite Flirt-Fever hat mich abgezockt. Ich wollte nur ein 14-tägiges Test-Abo bestellen. Dafür musste ich 1,99 Euro bezahlen. Nur zwei Tage später haben sie von meinem Konto 69 Euro abgebucht." Und "musikgerd" antwortet: "Mein Sohn hat auch das Problem mit Flirt Fever und Konsorten."

Trotz Klage und zahlreicher Beschwerden: Prebyte wirbt nach wie vor mit kostenloser Mitgliedschaft auf seiner Startseite. Um direkt bei der Anmeldung vom User eine Probemitgliedschafts-Gebühr zu verlangen. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht: "Die Anmeldung zum Service 'flirt-fever' ist als solche kostenlos. Um jedoch mit anderen Mitgliedern in Kontakt treten zu können, steht ein interner kostenpflichtiger Nachrichten-Service zur Verfügung. Möchte der Nutzer diesen Nachrichten-Service nutzen, muss er zumindest einen zweiwöchigen Test des Nachrichten-Service buchen." Für 1,99 Euro. Danach wandelt sich der Probe-Account automatisch zu einer festen Mitgliedschaft für zunächst drei Monate. Kosten: 69 Euro pro Monat.

Nicht nur der Fall flirt-fever stellt das Geschäft der Singlebörsen in Frage. Ein weiteres Problem: Der Einsatz von sogenannten Lockvögeln oder Animateuren. Sie werden entweder von dubiosen Fremd-Firmen eingesetzt, um die Singlebörsen-User zum teuren Telefon- oder SMS-Chat zu überreden. Oder sie werden direkt von den Singlebörsen beauftragt. Sie schreiben den Nutzern regelmäßig Mails, um sie zur Verlängerung ihres Monats-Abos zu animieren.

Wie im Fall von Mathew Evans, der die amerikanische Singlebörse Match.com im Jahre 2005 verklagte. Nach mehreren Treffen mit einer Frau, die er auf Match.com kennengelernt hatte, gestand sie ihm, ein Lockvogel zu sein. Die Verantwortlichen wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück.

Gegen die Machenschaften mancher Dating-Plattformen hat der Nutzer kaum eine Chance. Laut Dr. Ingo Straub, Anwalt für Medienrecht, wird es dem Kunden in der Regel schwer gemacht, "dem Betreiber den Einsatz derartiger Animateure nachzuweisen". Dies sei jedoch zwingend für eine erfolgreiche Geltendmachung von Ansprüchen.

Auch seriöse Singlebörsen sind nicht perfekt...


Auch die großen Singlebörsen offenbaren Schwächen. Bei vielen beruhen die Partnervorschläge des Anbieters auf einem Persönlichkeitstest. Mit Fragen zu Hobbies, Wünschen und Bildervorlieben erstellt der Anbieter das Userprofil. Auf dieser Grundlage werden dem Nutzer Partner vorgeschlagen, die zu seinem Profil passen. Potenzielle Paare aufgrund einer mathematischen Methode? Muss die Chemie nicht letztlich im realen Leben stimmen? Und: Ziehen sich nicht auch Gegensätze an? Laut Stiftung Warentest gibt es die Liebe auf den ersten Klick nur sehr selten. Ihr Urteil: Nur bei zweien ihrer 19 Tester hat es gefunkt. Und das erst nach einem halben Jahr Suche.

Auch die Angaben über Geschlechterverhältnisse und Mitgliederzahlen lassen Zweifel aufkommen. Singlebörsen-Betreiber prahlen, dass ebenso viele Männer wie Frauen bei ihnen online flirten. Laut einer Studie der Schweizer Universität St. Gallen sind jedoch 70 Prozent der Nutzer auf deutschsprachigen Kontaktseiten männlich. Die Mitgliederzahlen sind meist geschönt, beinhalten Karteileichen. Ein weiteres Manko: Die kostenlose Mitgliedschaft lohnt nur selten. Für ausführlichere Funktionen wie Kontaktaufnahme, Fotos ansehen oder die uneingeschränkte Suche müsste der User einen Premium-Account besitzen. Und der kostet.

Wer online flirtet, sollte sich vorher über seinen Anbieter informieren. Privatinitiativen wie singlebörsenvergleich.de, onlinedatingtest.de, singlebörsen.de, singlebörsen-review.de, saferdating.de, Verbände wie der Gesamtverband der Ehe- und Partnervermittlungen e. V. (GDE) und der Berufsverband für Partnervermittler in Europa e. V. (bvp) und Tests der Stiftung Warentest geben dem User einen guten Überblick. Generell sollte dieser stets die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufmerksam lesen, sich weder auf SMS noch Telefonate einlassen, auf Auszeichnungen der Singlebörsen wie das TÜV-Siegel achten und seine Anonymität wahren. Letztlich liegt es am User, auf einem seriösen Weg den Partner fürs Leben zu finden.


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